Eine sehr persönliche und umfassend allgemeine Geschichte

   Ich lebe auf einer Insel in der Ägäis.
Wie fast jeden Tag bin ich im Meer, mittags. Diesen Sommer. Plötzlich ist mir bewusst,  dass ich in einem Massengrab schwimme, in einem atemberaubend schönen Massengrab.
Abends beginnen wir dieses Projekt.
   Fakten
   Hier sind Fakten zu dieser Geschichte, die jetzt geschieht, die wir uns jetzt erzählen. Erzählen könnten:
   Alle 2 Sekunden steht ein Mensch auf und flüchtet. (Wenn Sie einmal 2 Sekunden abzählen - das geht sehr schnell.)
   * Das sind 30 Menschen jede Minute. 16.329.600 Menschen dieses Jahr.
Über 70 Millionen sind bereits länger unterwegs. 260 Millionen leben schon nicht mehr dort, wo sie geboren wurden: Migranten.
UNHCR-Link
   Das ändert unzählbare Schicksale. Die ganze Welt.
   Was kann Kunst tun?
   Vieles nicht.
Kunst kann Menschen, die flüchten,
nicht vor Verfolgung schützen.
Nicht vor Kugeln, Bomben, Gift,
Seuchen, Verhungern, Ertrinken.
   Auch ich kann niemanden beschützen. der
JETZT!
aufstehen muss. Gehen.
   Wahrnehmung und Haltung
   Künstler müssen so aufmerksam als möglich wahrnehmen, was ist. Jetzt ist. Hier.
   Also nehme ich die Furcht, die Angst,
das Tödliche, das Glück des Überlebens, das zitternde Ankommen, das Leben ohne umfassende Gewissheit wahr. In mir.
(Das ist für mich nicht mehr als natürlich: Ich war ein Flüchtling, vielerorts und vielfach. Und ein Angekommener, hier und dort, immer wieder.)
  

   Aber

   alles das ist nicht das, was ich male, nicht ein sogenanntes Motiv oder Thema oder Konzept.

   Es erreicht mich, informiert mich, stimuliert, inspiriert mich. Und fordert mich, täglich, braucht unbedingt meine Aufmerksamkeit, verlangt meine Empathie.

   Diese komplexe Wahrnehmung formt die innere Haltung,  in der ich male.

   Darum sind meine Bilder wie sie sind.

   Sie haben keine Titel. Sie sind bereit für die Titel, die Sie ihnen geben.

   Entscheidend ist, was Sie daraus für sich wahrnehmen.Und wahr machen.

   Wie?

   So:

   Ein Mensch,

   Sie,

   lebt mit Kunst.

   Dieser Mensch,      

   Sie,

   erkennt zunehmend mehr, weiter, länger, tiefer.        

Sie ändern die Wirklichkeit, wenn Sie mit Kunst leben. Das ist ganz gewiss.

   Drauf vertraue ich, selbstverständlich.

   Und darauf, dass wie schon immer, ein einziger Mensch alles ändern kann.

   Sie?

   Dafür arbeite ich.